🌄 Erfahrungsbericht: „La Part des Anges“ an der Aiguille d’Argentière

Biwak, anspruchsvolle Kletterei und Hochgebirgsstimmung an der Aiguille d’Argentière.

🧗‍♂️ Hoch hinaus an der Aiguille d’Argentière: La Part des Anges, eine ihrer steilsten Linien

Manche Touren bleiben. Nicht allein wegen der Schwierigkeit, sondern weil sie etwas wecken: den Wunsch, sich einzulassen, die Stärke einer Seilschaft und die unverstellte Schönheit einer Linie. La Part des Anges ist eine davon.

✨ Ein Biwak, ein Gewitter, ein Sonnenuntergang

Es beginnt an einem Samstagmorgen mit dem metallischen Rhythmus der damaligen ersten Bahn nach Lognan. Baptiste und ich verlassen das Tal, die Augen noch halb geschlossen, das Herz schon oben. Unser Ziel: die Aiguille d’Argentière. Schweigend queren wir den Gletscher. Dieser persönliche Rückblick beschreibt keine aktuellen Bahn- oder Zustiegsverhältnisse.

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Querung des Argentière-Gletschers auf seiner rechten Seite

Auf der Hütte fragen wir nach Bedingungen. Der Hüttenwirt erzählt, dass La Part des Anges am Vortag von Arthur Poindefert geklettert wurde. Ein Zeichen oder einfach ein hilfreicher Hinweis? Wir lächeln. Die Lust ist da; wir fühlen uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

BildDer Hüttenwirt des Refuge d’Argentière gibt uns Informationen

Zum Ankommen im Gelände klettern wir zunächst Doux Refuge, eine Nachbarlinie in kompaktem Granit. Sieben Seillängen, TD+, mit leichtem Gepäck: den Körper wecken und Abläufe abstimmen. Im Hintergrund Droites, Verte und Courtes. Zum Niederknien schön.

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Baptiste in Doux Refuge

Auf rund 3.000 Metern stellen wir das Zelt auf einer ebenen Stelle auf. Dann kommt das Gewitter: Hagel, Regen und klatschende Zeltbahnen. Das Biwak wird zur Herausforderung. Schließlich kehrt Ruhe ein. Wir schauen hinaus: Ein schillernder Sonnenuntergang taucht das Argentière-Becken in Farbe. Die Berge schweigen, und wir auch.

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Das Biwak nach dem Gewitter

Im Zelt verfeinern wir den Plan. Ich bekomme Arthur Poindeferts Nummer, und er schickt wertvolle Hinweise zu den damaligen Routenbedingungen. Diese unerwarteten Nachrichten beruhigen uns und geben uns neue Zuversicht. Die Linie scheint machbar, und wir wissen besser, was uns erwartet.

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Sonnenuntergang im Argentière-Becken

🧗‍♂️ Zustieg, Zweifel und der Ruf des Pfeilers

Wecker um 5 Uhr, Start um 5:45 Uhr. Steile Schneehänge, Steigeisen und Pickel. Nach knapp einer Stunde stehen wir am Beginn der Schwierigkeiten unter dem Y-Couloir.

Baptiste fühlt sich unwohl. Keine Panik, aber körperlich stimmt etwas nicht. Wir halten an und sprechen darüber: Sollen wir mit unsicherer Tagesform in diese Linie einsteigen? Zweifel kommen auf. Wir warten und gehen dann vorsichtig weiter. Das ist die damalige Entscheidung unserer Seilschaft, keine allgemeine Handlungsempfehlung.

Der Fels wird brüchig, lose und sandig. Ein Stein trifft mich. Ärger steigt auf. Einer dieser seltenen Momente, in denen man fragt, was man hier macht und ob es das wert ist. Vom Komfort einer sommerlichen Sportkletterroute sind wir weit entfernt.

Um 8 Uhr blicken wir hinauf. Der Pfeiler von La Part des Anges liegt vor uns: endlich kompakter Fels, schlank und steil. Die Zweifel weichen der Vorfreude.

💥 Anhaltende Kletterei und steile Wände

Die ersten sechs Seillängen klettern wir mit wechselnder Führung. Großartiger Fels, wenige Zwischensicherungen, aber eingerichtete Kettenstandplätze. Die Linien im Granit müssen wir selbst absichern. Ab 6b ziehen wir einen Rucksack nach, damit der Nachsteiger leicht bleibt. Es läuft.

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Baptiste in Seillänge 1

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Den Rucksack nachziehen und leicht klettern

Dann die schweren Längen: 7a, 7a+, 7b. Baptiste führt stark. Im Schlüsselzug stürzt er, in dieser Situation ohne Folgen an einer guten Sicherung. Ich folge, stellenweise mit angehaltenem Atem. Kraftvoll, schöne Bewegungen. Die Höhe macht sich bemerkbarBild.

Quentin erreicht den Stand nach Seillänge 8, der 7b.

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Steilwandatmosphäre: Die Standplätze hängen weit über der Tiefe.

Die letzte Länge gehört mir: 6a+, auf dem Papier die leichteste, aber in zweifelhaftem Fels. Ich bin erschöpft und kämpfe weiter. Dreißig, vierzig, vielleicht fünfzig Minuten Routenfinden und Mühe bis zum Ausstieg.

🏔️ Oben Luft holen und zurück in die Schatten

17:30 Uhr, ungefähr 3.900 Meter. Ausstieg von La Part des Anges an der Aiguille d’Argentière. Wieder Stille. Vor uns Verte, Jorasses, Dent du Géant, Courtes und Droites: ein Amphitheater aus Fels und Eis. Wir schauen, ohne zu sprechen.

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Baptiste oben

Der Abstieg ist eine eigene Welt: zehn anspruchsvolle Abseilstellen, teils mit Pendelbewegungen, teils frei hängend.

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Quentin in einer frei hängenden Abseilstelle

Danach ungesichertes Abklettern im alpinen Gelände, mit voller Aufmerksamkeit. Am Biwak packen wir hastig. Die Nacht kommt; Stirnlampen an. Gegen Mitternacht sind wir über die Moräne und finden ein Stück Gras für die erste richtige Pause. Wir liegen da, die kalte Gletscherluft weicht der milden Sommernacht. Sterne über uns, ein Lächeln im Gesicht, der Kopf endlich frei von den Zweifeln über den Rückweg ins Tal.

Chamonix um 2 Uhr, Annecy um 3:30 Uhr. Völlig erschöpft. Leer. Lebendig.

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Beginn des langen Weges zurück ins Tal

💬 Was bleibt

La Part des Anges ist mehr als eine Route: eine Reise, die man klettert und erlebt. Eine Lektion in Kletterei und Bescheidenheit. Eine Erinnerung für immer.

Danke, Baptiste. Für Vertrauen, Schwung und diese wunderbare Tour. 🙏

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Das Duo im gemeinsamen Rückzugsort: Le Relais